Heute heißt es Abschied nehmen für immer. Die letzten beiden Wochen waren für uns alle sehr hart. Vieles gab es zu erledigen. Dadurch musste man sich nicht damit auseinandersetzen. Auf dem Parkplatz stehen sie schon alle. Meine Mutter, meine Geschwister, meine Tante mit meinem Cousin und ihrem Freund. Auch einige andere sind erschienen. Es erscheint mir immer noch wie ein sehr schlechter Traum. Der Anruf kam morgens sehr früh. Ich lag noch im Bett. Es war meine Schwester. „Oma ist tot“, sagte sie. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich nicht mehr schlafe. „Mama fährt grade hin. Ich erreiche die Jungs nicht!“ Ich handelte wie ein Automat. Verbot mir zu der Zeit jegliche Emotionen. „Ich kümmere mich schon drum und dann fahr ich zu Mama.“ Als ich meinen Bruder erreichte, war auch er entsetzt. „Ich nehme mir frei und fahr zu Mama!“ Wir waren alle für sie da. Wir haben sie auf dem langen Weg bis zum heutigen Tage begleitet. Aber wann hab ich mir eigentlich die letzten Tage Zeit zum Trauern gegönnt? In der ersten Woche habe ich viel geweint. Abends, wenn meine Tochter im Bett und alle anderen weg waren...
Jetzt stehen wir alle hier. Die Stimmung ist merkwürdig. Wären nicht alle schwarz gekleidet und würden wir nicht auf dem Parkplatz vom Friedhof stehen, kämen die Menschen nicht auf die Idee, dass dieses Zusammentreffen einen traurigen Anlass im Hintergrund hat. Wir betreten die Kapelle und der Trauergottesdienst beginnt....

 Trauer über den Verlust eines geliebten Mitmenschen äußert sich bei jedem anders. Jeder Mensch reagiert und verarbeitet dieses schmerzliche Gefühl auf seine eigene Art und Weise. Während die einen ihren Schmerz weit hinaus schreien und offen ihre Trauer ausleben, weinen andere im stillen und heimlich in sich hinein. Wiederum andere versuchen den Verlust einfach zu verdrängen.

 Die offene Trauer:

Es fließen reichlich Tränen im Beisein von vertrauten Menschen. Mit ihnen teilt man den Schmerz und die liebgewonnen Erinnerungen an den/die Verstorbene/n. Diese Menschen verstecken ihre Trauer nicht und zeigen ganz offen, wie sehr sie unter dem Verlust leiden. Sie suchen nach Trost und Hilfe bei der Trauerbewältigung.

 Die versteckte Trauer:

Sie weinen still und heimlich, wenn niemand in ihrer Nähe ist. Sie versuchen im Beisein anderer die Normalität aufleben zu lassen und spielen ihre eigentlichen Emotionen runter. Es ist ihnen unangenehm darauf angesprochen zu werden.Noch viel unangenehmer ist für sie die Vorstellung, dass man sie bemitleiden könnte.Dieser Trauertyp zieht sich oftmals zurück und versuchen alleine mit ihrer Trauer zurecht zu kommen. Spricht man sie auf die Trauer an, bedanken sie sich für die Anteilnahme und wechseln dann das Thema. Manche weinen nicht einmal, da sie nur noch so etwas wie Leere empfinden.

 Die Verdrängung

Trotz der Nachricht geht alles seinen gewohnten Gang als wäre nie etwas passiert. Sie setzen sich mit dem Verlust nicht auseinander und blenden das Thema und die Geschehnisse komplett aus. Verdränger stürzen sich in jede Menge Aktivitäten (Job/Hobby) um nicht darüber nachdenken zu müssen, was dieser Verlust bedeutet. Anders als bei der versteckten Trauer, wird das eigentliche Thema jedesmal umgangen. Spricht man sie darauf an, wird auf den Verlust nicht eingegangen sondern direkt ein völlig anderes Thema angesprochen. Die Verdränger wirken oftmals stark unterkühlt und herzlos, als ginge ihnen der Trauerfall nicht Nahe. Aber Vorsicht,- je länger sie verdrängen, desto stärker stürmt das Verdrängte irgendwann auf sie ein.

 Wie verarbeite ich meine Trauer?

Ein Patentrezept zur Trauerverarbeitung gibt es nicht. Je nach Person sind andere Dinge hilfreich. Dennoch möchte ich hier ein Paar Dinge aufzählen, die mir in dieser schweren Zeit geholfen haben.

1. Weinen befreit. Es spielt keine Rolle, ob Sie im Beisein einer anderen Person oder im stillen weinen. Jedoch sollten Sie, wenn Ihnen danach ist, den Tränen freien Lauf lassen.

2. Teilen Sie mit den Mittrauernden oder Ihren Vertrauenspersonen (Freunde/Verwandte) die Erinnerungen an die/den Verstorbene/n.
Beispiel: Nach der oben genannten Beisetzung, ging ich mit meiner Familie noch in ein Eiscafe. Wir erinnerten uns an schöne Zeiten, die wir mit meiner Oma verbracht hatten. Wir erzählten uns Geschichten über Erlebnisse aus der Vergangenheit. Da es das Lieblingseiscafe meiner Oma war, hatten wir alle das Gefühl, dass sie bei uns ist. Dieser Gedanke tröstete uns alle.

3. Richten Sie sich eine Gedenkstätte ein. Zum Beispiel können Sie ein Bild in einem hübschen Rahmen auf ein Schränkchen stellen, welches Sie mit schönen Dingen dekorieren, die Sie mit dem/der Verstorbenen verbinden. Dort könnten Sie zum Gedenken auch täglich eine Kerze Anzünden.

4.Besuchen Sie Orte, an denen Sie mit der/dem Verstorbenen gerne gewesen sind. So festigen Sie die schönen Erinnerungen, durch die der geliebte Mensch in Ihrem Herzen weiterlebt.

5. Nehmen Sie sich die Zeit die Trauer zuzulassen. Verdrängen bringt nichts, denn dadurch verschwindet der Schmerz nicht. Lassen Sie den Schmerz zu, denn je länger Sie ihn hinauszögern, desto härter trifft er Sie irgendwann. Verdrängen funktioniert nur über einen begrenzten Zeitraum und zerstört noch mehr, als man ohnehin schon verloren hat.

Diese Tipps lassen den Schmerz natürlich nicht verschwinden. Genausowenig bringen sie eine baldige Besserung der Lage. Trauer braucht eben seine Zeit. Jedoch werden Sie merken, dass es nach einiger Zeit einfacher wird mit dem Schmerz und dem Verlust umzugehen und weiter zu leben. Und ich denke, dass die Verstorbenen genau das von uns erwarten: Dass wir weiterleben und irgendwann unser Leben auch wieder genießen können.