Geschlagen, getreten, geprügelt...misshandelt. Immer wieder liest oder hört man davon, wie Partner in Beziehungen mit Gewalt konfrontiert werden. Jedoch bleibt es nicht immer nur bei der 'einfachen' Gewalt, in schlimmsten Fällen artet die Gewalt sogar in Vergewaltigungen und Mord beim eigenen Partner aus.
Gewalt wird kaum in den Listen der am häufigsten genannten Trennungsgründe aufgeführt, weil ein Großteil der Opfer leider gar nicht dazu in der Lage ist, sich selbst aus dieser Situation zu befreien, sodass es auch nicht zu einer Trennung kommt. Diese Unfähigkeit, sich von einem schlagendem Partner (wobei klargestellt werden muss, dass sowohl Männer, als auch Frauen Gewalt ausüben) zu trennen, hat Gründe.

Entstehung von Gewalt:
Laut einiger Studien und psychologischen Fachkräften liegt die Ursache für die Gewaltbereitschaft, aber auch die Opferbereitschaft, fast immer in der Kindheit. Denn Kinder, die Gewalt auf irgendeine Weise als Lösung, Druckmittel oder Ähnliches erfahren haben, neigen dazu, dies auch im Erwachsenenalter anzuwenden. Das ist aber nicht der direkte Auslöser. Menschen, die Gewalt anwenden, haben Probleme mit sich selbst und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Frustration, ein beschädigtes Selbstbewusstsein und die Unfähigkeit mit Gefühlen umzugehen (und somit auch, über Gefühle zu reden) sind häufige Gründe, warum Menschen zu Gewalt greifen. Durch die Erniedrigung anderer haben sie die Möglichkeit, ihr Selbstwertgefühl ein wenig zu heben und sei es nur für kurze Zeit.

Das Bewusstsein des Täters:
Nach der Ohrfeige bekommt das Opfer häufig Folgendes zu hören: "Es ist über mich gekommen.", "Mir ist die Hand ausgerutscht." oder "Ich habe ganz einfach Rot gesehen." Doch das ist völliger Quatsch! Fest steht: die Hand rutscht nicht einfach so aus, der Fuß landet nicht ausversehen irgendwo, wo er nicht hingehört. Schuld sind auch keine eskalierenden Aggressionen oder Sonstiges, die Tat wird ganz bewusst ausgeübt. Die schlagende Person handelt nicht aus blinder Wut heraus, sie ist sich der Lage bewusst und handelt vielleicht in einem Rausch, jedoch ist sie sich über ihre Taten sehr wohl im Klaren.

Gewalt ist nicht gleich Gewalt:
Wenn man über Gewalt spricht oder liest, kann man fast immer davon ausgehen, dass körperliche Gewalt gemeint ist. Dabei wird jedoch die psychische Gewalt völlig außenvorgelassen, obwohl sie nicht weniger schlimm ist. Psychische Gewalt wird häufig verharmlost, doch die Konsequenzen sind identisch mit denen der körperlichen Gewalt: Demütigung, Verlust des Selbstwertgefühls und des Vertrauens zum Partner, Verletzung der Würde und vor allem Entstehung von Abhängigkeit.

Psychische Gewalt:
Am Anfang der Beziehung ist alles perfekt, man bekommt die Zuneigung, Aufmerksamkeit und Liebe, die man schon immer haben wollte und fühlt sich als etwas ganz Besonderes, sodass einem erst zu spät auffällt, was wirklich dahinter steckt. Aus der Aufmerksamkeit entwickelt sich ganz schnell rasende Eifersucht und ein immenser Kontrollzwang. Der Partner offenbart sein zweites Gesicht und dann geht es richtig los: ständige Kritik, Demütigung, Eifersucht und Kontrolle bis hin zum Ausgehverbot. Der Partner hat es geschafft, das eigene Selbstwertgefühl von ihm abhängig zu machen und sorgt dafür, dass es immer weiter sinkt, bis es ganz verschwunden scheint. Man wird wahrhaftig immer weiter erniedrigt, bis sich das Selbstwertgefühl verflüchtigt hat und stattdessen eine Abhängigkeit zum Partner eintritt.

Körperliche Gewalt:
Diese Art von Gewalt (Ohrfeigen, Tritte, Schläge, Prügel, Folter etc.) taucht nicht plötzlich auf, auch wenn es so scheint. Ganz im Gegenteil: Bevor es zu der körperlichen Gewalt kommt, wird zunächst eine Phase der psychischen (und verbalen) Gewalt durchlaufen, die den Übergang in die körperliche Gewalt darstellt. Sobald diese Grenze der verschiedenen Gewalten erst einmal überschritten ist, hat das Opfer fast gar keine Chance mehr, sich selbst aus der eigenen Rolle zu befreien, immerhin ist das Selbstwertgefühl überhaupt nicht mehr vorhanden und der Partner hat es geschafft, dass sich die geschlagene Person selbst die Schuld gibt und sich auf keine Weise mehr selbst lieben kann.

Der Ausweg:
Die Opfer von Gewalttaten sind selten in der Lage sich zu trennen, weil sie einfach kein Selbstwertgefühl mehr haben. Der einzige Weg, aus dieser Geschichte herauszukommen, ist also, sich selbst wieder lieben zu lernen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die geschlagene Person das Problem erkannt hat und beginnt, ihr Denken umzustellen. Es ist nur zu empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen, um einen Ausweg zu finden. Dies gilt im Übrigen auch für die schlagende Person, denn die Tatsache, als Kind Gewalt in der Familie oder Ähnliches erfahren zu haben, dient keinesfalls als Entschuldigung, um selbst Gewalt auszuüben. Mit Hilfe ist auch dies in den Griff zu bekommen.
Zuletzt raten wir allen geschlagenen Personen, über das Ereignis zu sprechen, auch wenn es demütigend scheint, es hilft. Desweiteren sollte die Beziehung nicht weitergeführt werden, solange einem etwas an dem eigenen Leben liegt und man nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen möchte.
Gewalt in Beziehungen ist nicht zu entschuldigen.